Ich habe in den vergangenen Tagen viel Zeit mit Kopfhörern auf den Ohren verbracht. Sechs Folgen Podcast. Sechs lange Gespräche über unsere Lebensmittel. Darüber, warum wir kaufen, was wir kaufen. Über Supermärkte, Landwirtschaft, Gesundheit, Labels – und über eine Lebensmittelbranche, die an manchen Stellen gehörig aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Sechs Folgen, sechs Schwerpunktthemen
Die Podcastserie „Geschmacksfragen“ mit dem Serienunternehmer Josef Brunner und Chris Suu nimmt sich für diese Themen Zeit. Viel Zeit. Das Ergebnis sind sechs Folgen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und zahlreichen Gesprächspartnern aus der Branche. Es geht nicht darum, mit dem Finger auf einzelne Schuldige zu zeigen. Sondern darum, genauer hinzuschauen: Wo liegen die Probleme? Und vor allem: Was könnte man besser machen?
Schon die Themenliste macht deutlich, wie groß das Brett ist, das hier gebohrt wird: Warum wir kaufen, was wir kaufen. Essen als Medizin. Die Macht des Handels. Landwirtschaft und Labels. Und schließlich die Frage, wie ein Wandel der Lebensmittelbranche gelingen kann.

Das Sterben der Handwerksqualität
Besonders hängen geblieben ist bei mir allerdings Folge vier: „Das Sterben der Handwerksqualität“. Kein Wunder. Schließlich beschäftigen wir uns mit Oma Lisbeths Maultaschen selbst mit einer ziemlich altmodischen Idee: Lebensmittel sollen gut gemacht sein. Mit ordentlichen Zutaten. Mit handwerklichem Können. Und mit Menschen dahinter, die wissen, was sie tun.
Genau darum geht es auch in dieser Folge. Was verlieren wir eigentlich, wenn immer mehr kleine Bäckereien, Metzgereien, Lebensmittelhersteller und Gastronomiebetriebe verschwinden? Es geht eben nicht nur um Arbeitsplätze oder um die Zahl der Geschäfte in einer Innenstadt. Es geht um Geschmack. Vielfalt. Wissen. Und um handwerkliche Fähigkeiten, die sich nicht einfach auf Knopfdruck wieder einschalten lassen.

Denn wenn das Handwerk verschwindet, fehlt am Ende nicht nur ein Betrieb. Es fehlt ein Stück Geschmackskultur.
Lebensmittel sind Mittel zum Leben
Josef Brunner bleibt dabei, zumindest aus meiner Sicht, erfreulich unaufgeregt. Er beschreibt Probleme, sucht aber gleichzeitig nach Chancen. Mit seiner Firma NutriUnited versucht er selbst, Unternehmen aus der Lebensmittelbranche unter einem gemeinsamen Dach weiterzuentwickeln und dabei auf Qualität, Transparenz und handwerkliche Substanz zu setzen. Man kann ihm dabei nur viel Erfolg wünschen.
Und dann gibt es noch einen Gedanken aus der Podcastserie, der mir besonders gefallen hat: Sind wir in diesem Lebensmittel-Kontext wirklich „Verbraucher“?
Einer der Gesprächspartner wehrt sich gegen diesen Begriff. Zu Recht, finde ich. Lebensmittel „verbrauchen“ wir schließlich nicht wie Benzin oder Toilettenpapier. Wir essen sie. Wir genießen sie. Und vor allem: Wir brauchen sie zum Leben. Nahrungsmittel sind, wenn man so will, Mittel zum Leben.
Klingt nach einem kleinen sprachlichen Unterschied. Ist aber vielleicht ein großer Unterschied in der Art, wie wir über unser Essen denken.
Reinhören lohnt sich
Wer sich für gutes Essen, handwerkliche Qualität und die Zukunft unserer Lebensmittel interessiert, sollte in diese Podcastserie unbedingt einmal reinhören. Jede Folge hat etwa 70-90 Minuten Länge.
Hier geht es zum Poscast: https://geschmacksfragen.podigee.io/#subscribe
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